Lange Zeit galt Bier als das Nationalgetränk schlechthin, doch in den letzten Jahren sei das Konsumverhalten spürbar ins Wanken geraten. Die Deutschen trinken deutlich weniger Bier als früher. Der Absatz sinkt in vielen Segmenten und gleichzeitig wandelt sich das Bewusstsein der Verbraucher. Immer mehr Konsumenten achten auf Kalorien, Zucker und Alkoholgehalt. Die junge Generation verbindet Bier häufig nicht mehr mit Tradition, sondern hinterfragt seinen Stellenwert im Alltag, so die Meldung weiter.
„Auch wenn wir in NRW bei unseren Mitgliedsbrauereien mit einem Minus von 4 Prozent besser liegen als der Bundesdurchschnitt, ist dies kein Grund zur Freude. Es gibt zwar die eine oder andere Brauerei, die gegen den Trend einen geringeren Verlust hatte. Dafür haben einzelne Mitgliedsbrauereien sogar zweistellige Minuszahlen hinnehmen müssen.“, erläutert Hollmann. „Ja, die Brauwirtschaft befindet sich in einer Krise.“, bringt es der Vorsitzende des Brauereiverbands auf den Punkt.
Die Gründe hierfür seien nicht neu, dafür aber vielfältig: Der Konsum sinkt, weil sowohl junge Menschen als auch ältere Menschen generell seltener Alkohol trinken. Hinzu komme eine Konsumzurückhaltung der Gäste in der Gastronomie. „Das zweite Bier wird oft nicht mehr getrunken“, so Hollmann. Der Preis- und Wettbewerbsdruck durch den Lebensmitteleinzelhandel trage zu der schwierigen Situation der Branche ebenso bei wie die hohen Energiepreise. Und auch die hohen Löhne in der Brauwirtschaft seien in Zeiten sinkender Absatzzahlen herausfordernd. Dies habe auch dazu geführt, dass die Zahl der Insolvenzen und Schließung von Brauereien in Deutschland in den letzten Jahren gestiegen ist.
Unter den alkoholhaltigen Bieren ist Pils (70 Prozent-Anteil) immer noch die von den Mitgliedsbrauereien in Nordrhein-Westfalen am meisten hergestellte Sorte, gefolgt von Kölsch (14 Prozent) und erst mit Abstand Alt (4 Prozent). Auch wenn der Bierabsatz in den vergangenen Jahrzehnten stetig gesunken und zu befürchten ist, dass dieser Trend auch nicht 2026 gestoppt werden kann, ist Hollmann doch verhalten optimistisch, wie es weiter heißt.
„Bier steht in Deutschland nicht vor dem Aus. Als Brauereien müssen wir aber auf die Krise auch reagieren. Es muss uns gelingen, Tradition und Innovation zu verbinden und Bier wieder erlebbar zu machen. Dabei müssen wir die Wünsche und Bedürfnisse der Menschen aufnehmen. Dies haben viele Brauereien beispielsweise schon mit der verstärkten Herstellung von alkoholfreiem Bier getan Jedes 10. Bier in Deutschland ist mittlerweile alkoholfrei.“ Hollmann sei sicher: „Bier ist mehr als nur ein Getränk - es ist nach wie vor ein Stück deutsche Kultur.“
