(Bild: AdobeStock / Udan)

Eckwertepapier 2027: Geplante „Alkoholsteuererhöhung“ träfe ausschließlich Spirituosen

Der Bundesverband der Deutschen Spirituosen-Industrie und -Importeure (BSI) kritisiert, dass die im Eckwertepapier zum Haushalt 2027 vorgesehene „Alkoholsteuererhöhung“ allein Spirituosen betreffen soll – andere alkoholhaltige Getränke blieben unverändert.

Dabei stelle das mit rund 4 Prozent kleinste Segment des Alkoholmarkts bereits heute rund 70 Prozent der Alkoholsteuereinnahmen, obwohl es nur 18–20 Prozent des konsumierten Reinalkohols ausmache. Eine weitere Belastung würde die bestehende steuerliche Schieflage verschärfen und wirft laut BSI verfassungsrechtliche Fragen auf: Ethanol sei in allen alkoholhaltigen Getränken identisch, und auch die Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung unterscheiden nicht nach Getränkekategorien.

Zudem warnt der Verband vor fraglichen fiskalischen Effekten. Höhere Steuersätze führten erfahrungsgemäß zu Absatzrückgängen, Ausweichverhalten und sinkenden Einnahmen aus Umsatz-, Gewerbe- und Lohnsteuern. Beispiele aus Großbritannien zeigen laut BSI, dass Steuererhöhungen dort zuletzt zu Mindereinnahmen führten (vgl. The Gin Guild).

Besonders betroffen wären rund 10.000 kleine und mittelständische Betriebe, die eng mit regionaler Wertschöpfung, Landwirtschaft und handwerklicher Tradition verbunden sind. Eine einseitige Steuererhöhung gefährde Existenzen, Arbeitsplätze und ganze Wertschöpfungsketten – vom Handel über die Gastronomie bis zur Barkultur.

Auch gesundheitspolitisch sehe der BSI keine Begründung für eine „Strafsteuer“ auf Spirituosen. Internationale Bewertungen von WHO und OECD lieferten keinen eindeutigen Nachweis, dass Steuererhöhungen Alkoholabhängigkeit wirksam reduzierten. Gleichzeitig sinke der Alkohol- und Spirituosenkonsum in Deutschland seit Jahren, begleitet von Prävention, Aufklärung und strengem Jugendschutz (z. B. die Initiative SchuJu). Laut NielsenIQ konsumieren 95 Prozent der Verbraucher Spirituosen maßvoll und anlassbezogen.

 

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