(Bild: www.stiftung-mehrweg.de)

Reuse & Logistics Leadership Days 2026 in Berlin: Interview mit SIM Chef Jens Oldenburg

Am 11. und 12. Juni finden in Berlin die Reuse & Logistics Leadership Days 2026 statt, in die die 4. Deutsche Mehrweg Konferenz und die Jubiläumsfachkonferenz anlässlich 30 Jahre Stiftung Initiative Mehrweg (SIM) eingebunden sind. Das smartvillage Berlin wird dann für 2 Tage der Place-to-be für alle Mehrwegakteure aus Politik, NGO, Industrie, Logistik und Handel sein. "Frisch eingeschenkt" sprach mit SIM-Geschäftsführer Dr. Jens Oldenburg über die Veranstaltung und aktuelle Mehrwegthemen.

Frisch eingeschenkt: Herr Dr. Oldenburg, die Reuse & Logistics Leadership Days 2026 finden in einem entscheidenden Moment für die Branche statt – welche zentrale Botschaft möchten Sie den Teilnehmern vorab mitgeben?

Dr. Jens Oldenburg: Ich sehe mehrere klare Botschaften. Die wichtigste ist, dass Mehrweg die richtige Antwort auf Fragen wie Resilienz der Lieferketten in schwierigen politischen Zeiten, Herausforderungen der Logistik und Klimaschutz ist. Mehrweg ist ökonomisch und ökologisch vorteilhaft. Außerdem zeigen wir bei der zweitägigen Veranstaltung, wie innovativ Mehrweg sein kann und dass Mehrweg bereits seit langer Zeit das Rückgrat der deutschen und europäischen Lieferketten ist. Mit der wahrscheinlich größten Mehrwegveranstaltung Deutschlands zeigen wir aber auch, wie groß und stark die gesamte Mehrwegbranche ist.

Frisch eingeschenkt: Die europäische Packaging and Packaging Waste Regulation (PPWR) setzt neue Rahmenbedingungen – welche konkreten Auswirkungen erwarten Sie für Unternehmen entlang der Lieferkette?

Dr. Oldenburg: Ich sehe für Unternehmen, die diese Veränderungen aktiv angehen, große Chancen. Dies gilt aber wahrscheinlich oft für Umgestaltungen. Die PPWR bietet die Gelegenheit endlich europäische Standards zu setzen. 27 verschiedene Verpackungsrechte hindern die Entwicklung des europäischen Binnenmarktes. Die PPWR hat bei der Ausgestaltung sicher noch einige inhaltliche Fehler. Dies beinhaltet zum Beispiel den Schutz bestehender Mehrwegsysteme und die Ausnahme von Pappe bei den Regelungen. Jetzt aber wegen der Fehler nicht in die Umsetzung zu kommen, ist die absolut falsche Reaktion.

Frisch eingeschenkt: Welche Chancen können sich daraus ergeben?

Dr. Oldenburg: Ein einheitlicher europäischer Binnenmarkt bietet die Chance, Europa in den bereits erwähnten schwierigen politischen Rahmenbedingungen zu stärken. Dies ist besonders wichtig, da Lieferketten schon lange nicht mehr nur national bestehen. Unternehmen, die jetzt die Möglichkeiten nutzen, haben gute Chancen Marktanteile zu gewinnen.

Frisch eingeschenkt: Das Programm umfasst Keynotes, Panels, Fachforen und Masterclasses – welche Formate sind Ihnen persönlich besonders wichtig?

Dr. Oldenburg: Der Austausch der Akteure ist das wichtigste Ziel. Die Keynotes bieten einen klaren inhaltlichen Impuls. Zu den Höhepunkten zählen sicher, dass der Bundesumweltminister Carsten Schneider, der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer, die Meeresbiologin Dr. Frauke Bagusche oder Dr. Eckardt von Hirschhausen zu Gast sein werden. Darüber hinaus bieten die Fachforen die einzigartige Gelegenheit, die unterschiedlichsten Positionen auszutauschen, kennenzulernen und damit auch die Zuhörerinnen und Zuhörer in die verschiedenen Sichtweisen einzubinden. Die Masterclasses sehe ich als riesige Chance, Themen wie KI, Forschungsergebnisse und Fragen rund um Lieferketten in etwas kleinerer Runde ergebnisnah auszutauschen. Also: Alle drei Formate bieten die Gelegenheit, die beiden Tage interessant zu gestalten!

Frisch eingeschenkt: Auf welche inhaltlichen Schwerpunkte dürfen sich die Teilnehmer besonders freuen?

Dr. Oldenburg: Da sind der Austausch mit den Akteuren aus der Politik und vor allem die Diskussionen der Handelsvertreter zu nennen. Fragen der PPWR zu der Zukunft der Lieferketten werden die zentralen Aspekte sein.

Frisch eingeschenkt: Die Liste der Speaker ist hochkarätig besetzt – Wer kommt und worauf haben Sie bei der Auswahl besonders geachtet? 

Dr. Oldenburg: Die Veranstaltung trägt auch den Namen Leadership Days. Dies beschreibt unser Ziel, bei der Gestaltung des Programmes. Bei allen Panels haben wir Entscheider, Leader und Menschen, die etwas bewegen wollen auf der Bühne. Ich persönlich kann mich aktuell kaum entscheiden, bei welcher der drei Bühnen ich zuhören will, da alle Programmpunkte sehr spannend werden.

Frisch eingeschenkt: Rund 40 Aussteller und Start-ups präsentieren Lösungen entlang der Lieferkette – welche Innovationen erwarten Sie hier besonders?

Dr. Oldenburg: Auch hier gilt es die breite Vielfallt von Mehrweg aufzuzeigen. Es gibt unter anderem Lösungen in den Bereichen B2B, B2C, Gartenbau, Getränke, Lebensmittel, Produzenten, Poolbetreiber, Labelproduzenten, innovative Technikunternehmen und vieles mehr. Auch der gemeinsame Stand von BV GFGH und ProMehrweg wird ein zentraler Anlaufpunkt werden. Unser Ziel ist es, zu zeigen, dass das Geschäftsfeld Mehrweg unglaublich innovativ ist. Ich bin überzeugt, dass ich bei jedem Aussteller mit großer Begeisterung lange am Stand verweilen würde. 

Frisch eingeschenkt: Gibt es bestimmte Speaker oder Programmpunkte, die Sie persönlich besonders hervorheben würden? 

Dr. Oldenburg: Angesichts von fast 100 Speakern ist es schwierig, einzelne hervorzuheben. Carsten Schneider, Boris Palmer, Jürgen Trittin, Eckardt von Hirschhausen, Martin Schoeller, Emanuelle Maire von der EU-Kommission ziehen wahrscheinlich die meiste Aufmerksamkeit auf sich. Aber auch Speaker wie Prof Dr. Bernhard Lorentz als Global Head of Sustainability von Deloitte, Gunda Rachut als Vorständin der Zentralen Stelle und Prof. Dr. Henke vom Fraunhofer IML werden uns extrem spannende Sichtweisen liefern. Aus der rein deutschen Sicht sind es die Entscheider von Organisationen wie BV GFGH, IFCO, EuroPoolSystem, Pro Mehrweg bis hin zur DUH. 

Frisch eingeschenkt: Mit dem Mehrweg-Innovationspreis und dem 30-jährigen Jubiläum der Stiftung gibt es besondere Highlights – welche Bedeutung haben diese Programmpunkte für Sie persönlich und für die Branche? 

Dr. Oldenburg: 30 Jahre Stiftung Mehrweg ist schon eine Geschichte, auf die man mit Stolz zurückblicken könnte. Uns ist es aber sehr viel wichtiger, in die Zukunft zu schauen! Dies gilt auch beim Mehrweginnovationspreis. Wir könnten jedes Jahr in die Vergangenheit des Preises schauen, möchten aber bewusst den Blick auf spannende Innovationen und in die Zukunft werfen. Die Zukunft gehört Mehrweg und dies wird sich als roter Faden durch die Tage ziehen. 

Frisch eingeschenkt: Herr Dr. Oldenburg, wir bedanken uns für dieses Gespräch.

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