Absatzeinbrüche in dieser Größenordnung waren Bayerns Brauern selbst in den Corona-Jahren fremd, so die Meldung weiter. Noch etwas stärker sind die Gesamtabsätze der Brauer, also diejenigen unter Einschluss der Exporte, gefallen: Die deutsche Brauwirtschaft verliere insgesamt 6 Prozent oder knapp 5 Mio. hl, Bayern büße 5,4 Prozent oder 1,3 Mio. hl ein - alles ohne alkoholfreies Bier. Die Ursachen für diese Entwicklung seien vielschichtig und ein Zusammenspiel aus demografischer Entwicklung, verändertem Konsumverhalten und einer Konsumzurückhaltung auch in den namhaften Exportländern für Bayerisches Bier.
Rechnet man das sich wachsender Beliebtheit erfreuende Segment der alkoholfreien Biere hinzu, liege der gesamte bayerische Bierausstoß bei etwa 25 Mio. hl. Obwohl alkoholfreie Biere in Bayern mittlerweile auf ein Volumen von 2,5 Mio. hl und damit einen Produktionsanteil von 10 Prozent kommen, vermag ihr Zuwachs 2025 (11,5 Prozent oder 260.000 hl) die Verluste bei den traditionellen, alkoholhaltigen Sorten bei weitem nicht zu kompensieren, wie es weiter heißt.
Dieser Rückgang betreffe große wie kleine Brauereien. Besonders betroffen sei allerdings der mittelständisch geprägte Teil der Branche, der ohnehin schon mit steigenden Betriebskosten, Fachkräftemangel, wachsendem Preisdruck im Handel und zunehmender Bürokratie zu kämpfen habe. Die weiterhin gedämpfte Konsumlaune der Verbraucher:innen sowohl im Handel als auch in der Gastronomie tue ihr Übriges. In der Summe ergebe sich daraus ein wirtschaftlicher Druck, der viele Betriebe an die Grenze ihrer Belastbarkeit bringt.
Dass Ende 2026 in einer der ältesten und zudem größten Brauerei der Oberpfalz endgültig das Feuer unter dem Sudkessel erlischt, stehe dabei exemplarisch für eine Entwicklung, die sich in vielen Regionen Bayerns zeigt. „Das Aus dieser Traditionsbrauerei ist kein Einzelfall, sondern Teil eines schleichenden Aderlasses“, so Georg Schneider, Präsident des Bayerischen Brauerbundes. „Was verloren geht, ist nicht nur wirtschaftliche Substanz, sondern auch kulturelle Identität.“
Der Brauerbund fordert, dass der Abbau überbordender Bürokratie kein Lippenbekenntnis bleibt. Die energetische Transformation müsse gerade für kleinere und familiengeführte Betriebe machbar bleiben. Angesichts der Kritik der Monopolkommission am übermäßigen Konzentrationsgrad im Lebensmitteleinzelhandel sei es höchste Zeit, daraus auch politische Konsequenzen zu ziehen. Mit Blick auf die Zukunft setze der Branchenverband auf eine enge Zusammenarbeit innerhalb der gesamten Wertschöpfungskette, von der Brauwissenschaft und den Bierrohstoffen über die Brauereien bis in den Handel.
