Prof. Dr. Ilona Leyer und Prof. Dr. Manfred Stoll. (Bild: Hochschule Geisenheim / Stieffenhofer)

Hochschule Geisenheim: Projekt FlurWin entwickelt neue Perspektiven für freiwerdende Rebflächen

Der Weinbau steht vor tiefgreifenden Veränderungen: Sinkender Weinkonsum, steigende Produktionskosten und die Folgen des Klimawandels erhöhen den wirtschaftlichen Druck auf die Betriebe. In der Folge drohen künftig auch im Rheingau und anderen Regionen kleinere und größere Rebflächen zumindest zeitweise aus der weinbaulichen Nutzung zu fallen.

Wie sich dieser Wandel aktiv gestalten lässt und welche neuen Perspektiven für freiwerdende Flächen entstehen können, untersucht das neue Projekt FlurWin der Hochschule Geisenheim. Am 25. August 2026 kamen zur Auftaktveranstaltung knapp 80 Vertreter:innen aus Weinbau, Kommunen, Verbänden, Naturschutz, Wissenschaft und Gesellschaft an der Hochschule zusammen.

Der Veränderungsprozess biete neben Herausforderungen auch die Chance, Weinbaulandschaften neu und multifunktionaler zu gestalten. Hier setze FlurWin an: Das Projekt will praxistaugliche und nachhaltige Nutzungsalternativen für einzelne Weinbergsparzellen und ganze Weinbergsfluren entwickeln und erproben. Neben wirtschaftlichen Gesichtspunkten stehen dabei auch Klimaanpassung, Biodiversität und die langfristige Entwicklung der Kulturlandschaft im Mittelpunkt. Die gemeinsam mit Praxispartnern entwickelten Optionen sollen modellhaft umgesetzt und anschließend in einem Praxisleitfaden gebündelt werden.

„Der Wandel unserer Kulturlandschaft betrifft uns alle – deshalb wollen wir mit FlurWin gemeinsam Ideen entwickeln und Akteure vernetzen, damit aus den aktuellen Herausforderungen auch Chancen für die Landschaft von morgen entstehen“, sagt Prof. Dr. Ilona Leyer, die das Projekt gemeinsam mit Prof. Dr. Manfred Stoll leite. Schon bei der Auftaktveranstaltung wurde dieser Ansatz sichtbar: Neben Winzer:innen beteiligten sich Vertreter:innen von Weinbauverbänden, Kommunen, Naturschutz und Wissenschaft an der Diskussion.

Dabei gehe es ausdrücklich nicht um eine einzelne Patentlösung. Vielmehr sollen unterschiedliche Perspektiven zusammengeführt und Antworten auf ganz praktische Fragen gefunden werden – etwa dazu, wer alternative Nutzungen finanziere, wie Flächen gepflegt werden können oder welche rechtlichen Rahmenbedingungen zu berücksichtigen seien. „FlurWin soll die unterschiedlichen Perspektiven zusammenbringen, denn tragfähige Lösungen können nur entstehen, wenn wir die vielen ökologischen, wirtschaftlichen, praktischen und rechtlichen Fragen gemeinsam betrachten“, betont Prof. Dr. Manfred Stoll, Leiter des Instituts für allgemeinen und ökologischen Weinbau.

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