(Bild: AdobeStock / metamorworks)

Schneider Weisse, Bischofshof und Weltenburger ab 2027 unter einem Dach

Vor dem Hintergrund der unverändert anhaltenden Schwäche des deutschen Biermarktes planen die bayerische Traditionsbrauerei G. Schneider & Sohn („Schneider Weisse“) aus Kelheim und die von einer Stiftung des Bistums Regensburg getragene Brauerei Bischofshof ihre Geschäftsaktivitäten neu zu ordnen, wie es heißt. Schneider Weisse soll ab dem 1. Januar 2027 von der Brauerei Bischofshof die Rechte an den Marken „Bischofshof“ und „Weltenburger“ erwerben. Über den Kaufpreis haben die Vertragspartner Stillschweigen vereinbart.

Beide Brauereien kooperieren bereits seit langem im Rahmen einer Lohnbrauvereinbarung miteinander. Mit der Neuordnung der Aktivitäten sollen drei Hauptziele erreicht werden: 

  1. Die Nutzung von Synergien und eine deutliche Effizienzsteigerung bei Produktion, Vertrieb sowie Organisation sollen den bekannten Biermarken eine langfristig starke Position in ihren Absatzmärkten garantieren.
  2. Trotz des fortschreitenden Brauereisterbens in Deutschland wird ein Komplettverlust von Arbeitsplätzen verhindert.
  3. Die Herstellung der bekannten Biermarken basiert auf jahrhundertealter Brauerfahrung und regionalen Traditionen. Sie sollen auch künftig vollständig in bayerischer Hand und unter bayerischem Management bleiben. 

Schneider Weisse werde mit der avisierten Übernahme der beiden Biermarken nach derzeitigem Stand auch die älteste Klosterbrauerei der Welt, die 1050 gegründete und seit 1973 zu Bischofshof gehörende Klosterbrauerei Weltenburg, sowie das für die Logistik zuständige Unternehmen von Bischofshof mit insgesamt 21 Mitarbeitern fortführen. 

Die Produktion aller Marken soll mittelfristig komplett am Stammsitz von Schneider Weisse in Kelheim und in der Klosterbrauerei Weltenburg stattfinden, wofür die Voraussetzungen in Kelheim in den nächsten Jahren entsprechend geschaffen werden sollen. Die Brauerei Bischofshof mit ihrem Standort in Regensburg, an dem derzeit 56 Mitarbeiter beschäftigt sind, soll nach aktuellen Planungen zum 31. Dezember 2026 geschlossen werden. Zur gemeinsamen Findung sozialverträglicher Lösungen für die dortigen Mitarbeiter sollen umgehend Gespräche mit dem Betriebsrat aufgenommen werden, heißt es weiter. 

Georg VII. Schneider, Geschäftsführer Schneider Weisse: „Mit Schneider Weisse, Bischofshof und Weltenburger wollen wir ein Portfolio absoluter Traditionsmarken schaffen. Wir verbinden damit unsere über 150-jährige Weißbiertradition mit fast 380 Jahren Historie der Marke Bischofshof und der bis ins Jahr 1050 zurückreichenden Brautradition der ältesten Klosterbrauerei der Welt. So schaffen wir ein sich perfekt ergänzendes Bierangebot voller Geschichte und Traditionen, das es weltweit kein zweites Mal aus einer Hand gibt. Am Markt ist das ein echtes Alleinstellungsmerkmal und mit den entstehenden Synergien von Einkauf über Herstellung bis Vertrieb sind wir für die aktuellen Herausforderungen bestens aufgestellt."

Till Hedrich, Geschäftsführer von Bischofshof und Weltenburger: „Mit Schneider Weisse sind wir seit vielen Jahren durch verschiedene Kooperationen und auch über die Freien Brauer eng verbunden. Wir kennen und schätzen einander sowie die Besonderheiten der jeweiligen Marken und sind außerdem in derselben Region zuhause. Deshalb war für uns rasch klar, dass Schneider Weisse unser bevorzugter Gesprächspartner ist, als es darum ging, unsere Marken trotz der angespannten Lage auf dem deutschen Biermarkt gut in die Zukunft zu führen.“

Hintergrund seien die seit Jahren drastisch zurückgehenden Absätze deutscher Brauereien im In- und Ausland. Allein in den letzten zehn Jahren hat die Branche knapp 14 Mio. hl und damit knapp 14 Prozent ihres Absatzes verloren (2015: 95,6 Mio. hl; 2025: 82,6 Mio. hl). Und der Trend ist ungebrochen: In den letzten 15 Monaten lagen die Absätze laut Statistischem Bundesamt immer unter denen des Vorjahres. „Fakt ist: Auf uns alleine gestellt, war ein wirtschaftlicher Weiterbetrieb der Marken trotz aller Anstrengungen und guten Weichenstellungen der letzten Monate nicht mehr möglich. Die Mitarbeiter am Standort Regensburg werden wir wo möglich an passende Unternehmen aus dem Netzwerk in der Getränkebranche und dem weiteren Umfeld der Brauerei vermitteln. Wir möchten alle unsere Mitarbeiter so gut es geht unterstützen“, so Hedrich weiter. 

Dr. Rudolf Voderholzer, Bischof der Diözese Regensburg und Vorsitzender der Trägerstiftung der Brauerei Bischofshof: „Neben dem Traditionsaspekt ist für uns ganz zentral, dass wir durch den Erhalt der Braustätte im Kloster Weltenburg sowie der Logistikabteilung von Bischofshof zumindest einen Teil der Arbeitsplätze direkt in der Region halten können. Das ist aktuell leider keine Selbstverständlichkeit, wenn man sich die Meldungen der letzten Wochen und Monate anschaut.“ 

Thomas Maria Freihart, Abt des Benediktiner Klosters Weltenburg: „Wir sind sehr froh, dass mit der jetzt gefundenen ‚bayerischen Lösung‘ auch der Weiterbetrieb der ältesten Klosterbrauerei der Welt für die Zukunft gut abgesichert ist. So konnten wir den drohenden unwiederbringlichen Verlust eines ganz wichtigen Teils der bayerischen und klösterlichen Brautradition abwenden. Im Kloster Weltenburg schauen wir zurück auf fast 1000 Jahre Braugeschichte. Das gibt es sonst nirgends. Und diese Geschichte werden wir jetzt gemeinsam mit unseren direkten Nachbarn aus Kelheim weiter fortschreiben.“

 

Weitere Beiträge