Nachdem das Bundeskabinett im Frühjahr 2026 zunächst eine reine Herstellerabgabe beschlossen hatte, zeichnet sich aktuell ein Kurswechsel hin zu einer echten Verbrauchsteuer auf zuckerhaltige Getränke ab. Aus Sicht des Kölner Brauerei-Verbandes hätte eine solche Steuer weitreichende wirtschaftliche Folgen, ohne dass ihr gesundheitlicher Nutzen wissenschaftlich eindeutig belegt wäre.
Besonders betroffen wären mittelständische Familienunternehmen wie Brauereien, Mineralbrunnen sowie Hersteller von Erfrischungsgetränken. Die Branche stehe bereits unter erheblichem wirtschaftlichem Druck. Steigende Kosten für Energie, Logistik, Verpackungen und Personal belasteten die Unternehmen seit Jahren. Eine zusätzliche Steuer würde diese Entwicklung weiter verschärfen und gleichzeitig neue bürokratische Anforderungen schaffen.
Darüber hinaus würde die Zuckersteuer nach Einschätzung des Verbandes unmittelbar die Verbraucher treffen. Höhere Produktionskosten würden sich in steigenden Getränkepreisen niederschlagen und insbesondere Haushalte mit geringerem Einkommen zusätzlich belasten.
Auch die angestrebten gesundheitspolitischen Ziele werden kritisch bewertet. Studien zeigten bereits heute einen rückläufigen Konsum zuckerhaltiger Erfrischungsgetränke bei Kindern und Jugendlichen. Gleichzeitig habe die Getränkewirtschaft den durchschnittlichen Zuckergehalt marktrelevanter Erfrischungsgetränke seit 2018 durch freiwillige Rezepturanpassungen um rund 15 Prozent reduziert. Neue, zuckerreduzierte und zuckerfreie Produkte ergänzten das Angebot kontinuierlich.
Nach Auffassung des Kölner Brauerei-Verbandes belegen diese Entwicklungen, dass freiwillige Selbstverpflichtungen und Innovationen wirksam sind. Übergewicht und ernährungsbedingte Erkrankungen seien komplexe gesellschaftliche Herausforderungen, die sich nicht durch die Verteuerung einzelner Produkte lösen lassen. Ebenso könne eine Zuckersteuer weder die strukturellen Probleme des Gesundheitswesens noch die Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung nachhaltig verbessern.
„Die Getränkewirtschaft hat in den vergangenen Jahren Verantwortung übernommen und den Zuckergehalt vieler Produkte spürbar reduziert“, erklärt Christian Kerner, Geschäftsführer des Kölner Brauerei-Verbandes. „Eine Zuckersteuer wäre deshalb der falsche Weg. Sie belastet mittelständische Unternehmen, verteuert Getränke für die Verbraucher und schafft zusätzliche Bürokratie, ohne einen nachweisbaren gesundheitlichen Mehrwert zu erzielen. Statt neuer Steuern brauchen wir verlässliche wirtschaftliche Rahmenbedingungen und Maßnahmen, die tatsächlich zu einer ausgewogenen Ernährung und mehr Bewegung beitragen.“
